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Schraubertips zur XV 535 Virago

Schraubertips zur XV 535 Virago

Felge einspeichen

Text: Thomas Goeddenhenrich

Gründe für ein neues Einspeichen könnten beispielsweise eine breitere Felge, gebrochene Speichen oder eine „Acht“ in der Felge sein. Wer sich das Einspeichen nicht nicht zutraut, kann natürlich die Felge auch gegen gutes Geld neu einspeichen lassen (Arbeitsaufwand). Aber mit ein wenig Zeit und Geduld kann man diese Arbeit auch selber durchführen.

Dazu wird zunächst einmal alles benötigte Material besorgt. Also neuer Speichensatz, gegebenenfalls neue Felge und natürlich das Werkzeug: Nippelspanner und ein Auswucht- oder Zentrierständer).

Nachdem Ausbau des Rades wird es zunächst einmal gesäubert und dann möglichst gut dokumentiert. Das heißt, es werden Aufzeichnungen über das Speichenmuster angefertigt. Fatal wäre es, wenn ohne irgendwelche Notizen die Felge im Arbeitseifer zerlegt wird. Ich bin allerdings zu faul mir die Speichenanordnung abzuzeichnen und mache mir einfach mit der Digitalkamera ein paar Aufnahmen, um die Speichen später wieder richtig anordnen zu können. Auch sollte man Maß nehmen, zumindest die seitliche Lage der Nabe zur Felge. Bei der XV 535 Virago ist das einfach: hier liegt die linke Seite der Nabe (die zum Kardanantrieb zeigt) in einer Ebene mit dem linken Rand der Felge.

Sind diese Vorarbeiten erledigt, kann die Felge ausgespeicht werden. Falls sich die Nippel nur sehr schwer drehen lassen, hilft hier etwas WD-40 an den Gewindenippeln. Das Rad ist so recht schnell zerlegt und von dem Laufrad bleiben jetzt nur noch die Radnabe und die Felge übrig.

Nun kann die Nabe auf Verschleißerscheinungen überprüft werden. Sind Nabe und Felge noch in Ordnung, kann eingespeicht werden. Wird die selbe Felge oder der gleiche Felgentyp eingespeicht, braucht das Fahrzeug anschließend auch nicht beim TÜV vorgeführt werden. Ist aber beispielsweise eine breitere Felge einzuspeichen, sollte vorab mit einem TÜV-Ingenieur geklärt werden, ob die damit verbundene geänderte Reifengröße in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden kann. Auch sollte man daran denken, daß ja zwischen den Gabelholmen oder der Hinterradschwinge für die Breitreifen noch genügend Platz vorhanden sein muß.

Die Nabe und Felge werden zum Einspeichen nun so auf eine Arbeitsplatte gelegt, daß die zum Kardanantrieb zeigende Seite der Nabe nach unten zeigt. Außer den neuen Speichen, Nippeln, einem Kreuzschlitz-Schraubendreher und dem Nippelspanner wird noch etwas Fett benötigt, welches an das Speichengewinde und die Nippelunterseite (das ist die Fläche, die später in der inneren Felgenpunzung verschwindet) geschmiert wird. Dieses Fett vereinfacht das Aufdrehen der Nippel und bietet auch etwas Korrosionsschutz.

Nach dem Speichenmuster werden nun die Speichen eingefädelt und zuerst locker und dann von Hand gleichmäßig mit den Nippeln einige Umdrehungen vorgezogen. Danach werden die Nippel gleichmäßig und mit viel Fingerspitzengefühl vorgezogen. Hat das Rad Eigenstabilität bekommen, folgt nun die eigentliche Fleißarbeit des Einspeichens: das Zentrieren.

Dazu wird das Rad mit der Achse auf den Zentrierständer gelegt. Durch Drehen erkennt man, ob das Rad „rumeiert“ oder rund läuft. Um zu Zentrieren, wird erst der Höhenschlag (er sollte nicht mehr als 0,1 mm betragen) aus der Felge genommen. Ist er beseitigt, muß der Seitenschlag (ebenfalls maximal 0,1 mm) zentriert werden. Hierbei gilt: Hat die Felge einen „Berg“, müssen immer die gegenüberliegenden Nippel angezogen werden, bei einem „Tal“ müssen die gegenüberliegenden Nippel gelöst werden. Wer mit diesem Geduldsspiel nicht klar kommt, kann das Rad natürlich immer noch in eine Fachwerkstatt geben. Aber Übung macht den Meister ;-) Zum Schluß das Felgenband nicht vergessen und durch „Klangprüfung“ mit einem Schraubendreher an den Speichen testen, ob eventuell noch eine lose Speiche vergessen wurde. Das war’s dann schon. Nun kann der Reifen aufgezogen und das Rad wieder eingebaut werden.

Wohin mit den Altreifen? Einfach mal einen Bauern fragen ob der nicht noch gerne einen Reifen zur Befestigung seiner Plane für den Silo haben will.

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